Die Crowd finanziert Journalismus – Chance oder Notlösung?

© Media Funders

Crowdfunding ist eine neue Form im Journalismus, Projekte und Inhalte zu finanzieren. Im Unterschied zu Social Payments, geht es beim Crowdfunding um Inhalte, die noch entstehen müssen: Ein Journalist, freier Autor oder Künstler hat zunächst eine Idee für ein Projekt. Er wirbt dafür auf einer Crowdfunding-Plattform, um möglichst viel finanzielle Unterstützung für sein geplantes Projekt zu bekommen.

Das Vorhaben kann, auf den Journalismus bezogen, eine investigative Reportage, ein Film oder ein Buch sein. Der Journalist stellt sein geplantes Projekt vor und gibt einen Zeitraum an, in dem es entstehen soll. Weiterhin legt er einen Betrag fest, der innerhalb des Zeitraums gespendet werden soll. Finden sich genügend Spender für ein Projekt, beginnt der Journalist mit der Umsetzung. Kommt die gewünschte Summe nicht zustande, erhalten die Spender ihr Geld zurück.

Media Funders

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Die Spender sind entweder Privatpersonen, aber auch Geldgeber wie Stiftungen, Medienpartner und Organisationen können ein Projekt unterstützen. Das Endprodukt wird unter freien Lizenzen kostenlos zur Verfügung gestellt: zum Beispiel im Internet oder in einer Zeitung. So kann auch die Menge der Menschen, die nicht gespendet hat, das entstandene Produkt nutzen.

Crowdfunding wird oft mit „Schwarmfinanzierung“ ins Deutsche übersetzt. Doch dieser Begriff stimmt nicht ganz mit dem Prinzip Crowdfunding überein. Eine Crowd ist kein Schwarm, dessen Individuen sich in ein und dieselbe Richtung bewegen. Eine Crowd ist vielmehr eine heterogene Masse an Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen für ein Projekt spenden. Obwohl alle dasselbe Ziel verfolgen, die Umsetzung eines Projekts, haben sie unterschiedliche Hintergründe und Interessen. Es gibt Spender, die weder namentlich genannt werden möchten noch an einer Gegenleistung interessiert sind. Andere wiederum spenden vor allem wegen der Aufmerksamkeit und dem exklusiven Geschenk, das sie erhalten können.

Vorteile für Produzent, Medien und Nutzer

Durch Crowdfunding kann sich ein Journalist von den Vorgaben eines Medienunternehmens lösen und mit unterschiedlichen Formaten experimentieren. Außerdem ist er nicht von den begrenzten finanziellen Mitteln eines Medienunternehmens abhängig, da er selbst die Spendensumme festlegt und fair bezahlt wird. Er hält die potenziellen Unterstützer über Fortschritte und Erfolge seines Projekts auf dem Laufenden und steht ständig in Kontakt mit der Community. Dadurch macht er seine Arbeit transparent, was Vertrauen bei den Spendern hervorrufen kann.

Auch für Medienunternehmen ergeben sich Vorteile, wenn sie mit Crowdfunding experimentieren. Die Finanzierungsform erlaubt es klassischen Medien und Journalisten geplante Vorhaben durch eine Crowd mitfinanzieren zu lassen. Das entlastet einerseits die Medienunternehmen finanziell und führt gleichzeitig interessierte Unterstützer als neue Leser, Zuhörer oder Zuschauer an die eigene Marke.

Bleiben noch die Spenden-Motive der wichtigsten Gruppe: der Crowd. Sie muss von einem Projekt so überzeugt sein, dass sie einen Geldbetrag spendet. Durch ihre Spende finanziert sie unabhängigen Qualitätsjournalismus. Die Spender bekommen kostenlose Inhalte, die sie persönlich interessieren. Das können exklusive Text-, Foto-, Video- oder Datenjournalismus-Projekte sein, die sie in klassischen Medien oder Blogs in der Form nicht finden. Natürlich ist neben der Geste des Spendens und dem Gefühl sich für eine gute Sache eingesetzt zu haben, auch eine (materielle) Gegenleistung ein Spendenanreiz. Der Erhalt dieser Gegenleistung unterscheidet den Spender von der breiten Masse an Lesern, Zuschauern oder Zuhörern, die zwar das Endprodukt auch nutzen können, aber keine zusätzliche Gegenleistung erhalten. Meistens ist das ein exklusives Geschenk, ein Dankesanruf, ein signiertes Exemplar einer Publikation oder ein Auftritt in einem Hörspiel. Für Redakteure, Blogger oder freie Autoren kann es außerdem interessant sein, sich an Crowdfunding-Projekten zu beteiligen, weil sie Nutzungsrechte an Texten oder Informationen aus Recherchen erwerben können.

Kritik

Es gibt kritische Stimmen, die Crowdfunding als Finanzierungsform für Journalismus für ungeeignet halten: Sie sind der Meinung, dass man journalistisches Engagement nicht von den Vorgaben einer Masse abhängig machen sollte. Auch heute braucht es noch die Expertensicht und Berufserfahrung eines Redaktionsteams, um qualitativ hochwertigen Journalismus zu erarbeiten. Außerdem kann zu viel Transparenz für die Arbeit eines Journalisten zum Nachteil werden –  wenn sie das Vertrauensverhältnis zwischen Journalist und Informationsgeber gefährdet.

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