Spot.Us – Digitaler Marktplatz für Journalisten

Was macht ein Journalist, wenn er seine Ideen in einer Redaktion nicht mehr verwirklichen kann? Er sucht neue Wege, um seine Artikel selbst zu finanzieren und zu veröffentlichen. Eine Plattform, die Raum für kreative Recherche-Ideen bietet, ist Spot.Us.

Im Oktober 2008 gründete der US-Journalist David Cohn die Plattform Spot.Us in San Francisco. Cohn arbeitete schon als Redakteur und Autor für die Zeitschrift Wired und für die New York Times. Spot.Us wurde erst durch eine Anschubfinanzierung der amerikanischen Knight Foundation, die in den USA journalistische Start Ups fördert, ermöglicht. Dadurch bekam das Non Profit-Projekt einen seriösen Anstrich, der es für viele Journalisten als Publikationsplattform interessant machen sollte.

Das Prinzip Spot.Us

Spot.Us funktioniert wie eine Art digitaler Marktplatz, auf dem ein Journalist seine Recherche-Idee zum „Verkauf“ anbietet: In einem Exposé stellt er auf Spot.Us seine Idee vor, welche Summe er als Honorar für nötig hält und in welchem Zeitraum die Recherche stattfinden soll. Jetzt können die bei Spot.Us registrierten Nutzer entscheiden, ob sie die Arbeit des Journalisten mit einer freiwilligen Spende unterstützen möchten oder nicht.

David Cohn, TechRaking 2012

David Cohn, TechRaking 2012
Foto: © California Watch

Kommt die Summe innerhalb des festgelegten Zeitraums zustande, kann der Journalist mit der Recherche beginnen. Vorteile für den Nutzer sind, dass die vollendete Geschichte über eine freie Creative Commons Lizenz veröffentlicht wird. Außerdem erhält der Nutzer direkte Einblicke in die Arbeit des Journalisten und er kann sich über den aktuellen Stand und Fortschritte der Recherche informieren.

David Cohn bezeichnet das Prinzip Spot.Us als „community-funded reporting“, bei dem die finanzielle Last einer aufwändigen Recherche auf mehrere Schultern verteilt wird. So entsteht eine Plattform, auf der Journalisten und Leser aufeinandertreffen, um gemeinsam zu beschließen, worüber in den Medien berichtet werden soll: „Upset that your local news organization isn’t covering an issue you’re passionate about? Donate 25 Dollars to a reporter who will“, beschreibt David Cohn das Prinzip Spot.Us.

Journalisten und Leser fördern Qualitätsjournalismus

Um zu verhindern, dass Lobbyisten und Unternehmer Einfluss auf die Themenauswahl der Geschichten nehmen, gibt es eine Regel: Der Betrag, den eine Person spenden darf, ist auf 20 Prozent der Gesamtsumme begrenzt. Redaktionen haben aber die Möglichkeit exklusive Rechte an Texten zu erwerben. Zahlt eine Redaktion die Hälfte der insgesamt gespendeten Summe, bekommt sie das Recht zur Erstveröffentlichung eines Artikels.

Die entstehenden Artikel sollen laut David Cohn von öffentlichem Interesse sein. Spot.Us produziere keinen Unterhaltungsjournalismus, so Cohn in einem Interview. Auf diese Weise entstand zum Beispiel die Reportage „Arab Spring meets endless Summer“ von David Morris über den Arabischen Frühling. Die Reportage erschien in The Surfer’s Journal, Slate, Foreign Policy und wurde als „the Best American Non-required Reading series“ ausgezeichnet. Auf der Projektwebseite kann der Nutzer genau nachvollziehen, woher das gespendete Geld stammt und welche Summe die einzelnen Spender gezahlt haben.

Neueste Entwicklungen bei Spot.Us

Spot.Us zeigt, wie ein spendenfinanziertes Geschäftsmodell im Journalismus funktionieren kann. Bislang ist Spot.Us in seiner Form einzigartig. Was es von anderen Crowdfunding-Plattformen wie kickstarter.com und der deutschen Plattform startnext.de unterscheidet, ist die Spezialisierung auf rein journalistische Projekte.In Deutschland wird zur Zeit ein ähnliches Projekt aufgebaut. Die Plattform Mediafunders will unabhängigen Journalismus fördern, wobei auch hier die Nutzer Artikel finanzieren sollen, die unter freien Lizenzen ins Netz gestellt werden.

Dennoch gibt es Kritiker, die das Finanzierungsmodell Crowdfunding für journalistische Projekte ungeeignet finden. Man könne nicht unterscheiden, ob ein privater Spender an einem bestimmten Thema interessiert sei und es deswegen finanziell unterstützt. Oder ob ein PR-Unternehmen versucht bestimmte Artikel stärker zu fördern, in denen ein Kunde positiv dargestellt wird. Obwohl es bei Spot.Us Anfragen von Werbekunden gab, entschied sich David Cohn gegen Werbung auf der Webseite. Damit verhinderte er, dass Werbekunden Einfluss auf die Umsetzung bestimmter Inhalte nehmen können.

Am 3. April 2012 gab David Cohn auf seinem Blog digidave.org bekannt, dass er Spot.Us verlässt, um ein neues Projekt zu gründen. Damit übertrug er alle Verantwortlichkeiten auf die Non Profit-Einrichtung American Public Media, die seit Anfang 2012 Eigentümer von Spot.Us ist. Zum jetzigen Zeitpunkt verfügt Spot.Us über eine Summe, mit der es noch ein Jahr lang bestehen bleiben kann, schreibt Cohn in seinem Blog-Eintrag.

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