Crowdfunding-Plattformen im Journalismus – eine Übersicht

Der Begriff des Crowdfunding wurde zum ersten Mal im Zusammenhang mit der Plattform Sellaband im Jahr 2006 genannt. Auf Sellaband können Musiker ein Album von Fans finanzieren lassen. Im Gegenzug erhalten Fans exklusives CD-Material oder Backstagepässe. So sind Musiker und Bands nicht mehr an Labels gebunden und können Studioaufnahmen und Konzerte selbst realisieren.

Vorreiter unter den Crowdfunding-Plattformen

Auf sellaband.com folgten einige andere Crowdfunding-Plattformen, wie Kickstarter und Indiegogo – zwei der erfolgreichsten Beispiele aus den USA. Ein Großteil der Projekte, die über kickstarter.com und indiegogo.com finanziert werden, haben wie Sellaband keinen journalistischen Anspruch. Eine Ausnahme ist das Occupied Wall Street Journal der New Yorker Occupy-Bewegung. Für das Printmagazin wurden 75.690 US-Dollar über die Plattform Kickstarter gespendet.

Rein auf Journalismus bezogene Crowdfunding-Plattformen sind beispielsweise Spot.Us, das ich hier ausführlich erkläre, und Emphas.is aus den USA. Die Plattform Emphas.is ist auf Fotojournalismus spezialisiert. Als Endprodukte entstehen Fotoreportagen und Dokumentationen. Für die Reportage Almost Dawn in Libya wurden über 1.500 Euro gespendet. Die Fotoserie verdeutlicht die Folgen des Bürgerkriegs in Libyen für die libysche Bevölkerung. Mittlerweile können Fotojournalisten ihre Bilder über Emphas.is als Buch publizieren lassen.

Übersicht über Crowdfunding-Plattformen im Journalismus

Auch in Deutschland gibt es Crowdfunding-Plattformen, die im letzten Jahr immer beliebter wurden – sowohl bei Projektinitiatoren als auch bei Spendern. Hier finden Sie eine Übersicht über deutsche Crowdfunding-Plattformen mit jeweils erfolgreich umgesetzten journalistischen Projekten.

startnext

Logo © startnext

Die Plattform: „Community-Finanzierung für Kreative“ – so lautet das Motto der größten Crowdfunding-Plattform in Deutschland: Startnext wurde im Jahr 2010 von den Dresdnern Denis Bartelt und Tino Kreßner gegründet. Künstler, Autoren, Fotografen, Musiker und engagierte Privatpersonen können auf startnext.de Projekte vorstellen, die sie schon immer verwirklichen wollten. Inzwischen werden über Startnext 45 Prozent der vorgestellten Projekte erfoglreich umgesetzt. Die Spender bezahlen per Online-Überweisung oder über den deutschen Micropayment-Service Fidor Pay. Seit April 2011 gilt Startnext offiziell als gemeinnützige Plattform. Das bedeutet, dass die Crowdfunding-Beiträge von der Steuer absetzbar sind. Aktuell gibt es bei Startnext Projekte aus den Kategorien Film/Video, Musik, Design, kulturelle Bildung, Fotografie, Literatur – und Journalismus.

Erfolgreiche journalistische Projekte:

Im Bereich Journalismus wurde genügend Geld gespendet, dass die 7. Ausgabe des Magazins Low produziert werden konnte. Das Kunstmagazin behandelt vor allem Themen aus der modernen Kunst wie Plakatkunst, Illustration und Urban Art. Mit 3.431 Euro Spenden konnte das Magazin im November 2011 mit mehr als 100 Prozent erfolgreich finanziert werden.

Ein weiteres, aktuell noch laufendes, journalistisches Projekt sind die audiovisuellen Slideshows berlinfolgen,die von der Agentur 2470 Media in Zusammenarbeit mit der taz produziert werden (siehe dazu auch mein Eintrag „Crowdfunding auf der co:funding“).


VisionBakery

Logo ©VisionBakery

Die Plattform: Vision Bakery wurde 2010 in Leipzig gegründet. visionbakery.de realisiert vor allem Projekte aus den Bereichen Journalismus, Soziales, Kunst und Veranstaltungen – oft mit regionalem Schwerpunkt. Die Projektinitiatoren haben 55 Tage Zeit, um genügend Unterstützer zu finden und ihr Projekt erfoglreich umzusetzen. Gelingt es nicht innerhalb der festgesetzten Frist, erhalten die Spender ihr Geld zurück. Als Provision behält Vision Bakery zehn Prozent ein; zusätzlich fallen 1,9 Prozent Gebühren für den Bezahlvorgang via PayPal an.

Erfolgreiches Projekt:

Bisher gibt es in der Kategorie Journalismus vier Projektvorschläge. Einer davon wurde im Januar 2012 erfolgreich umgesetzt: Das Magazin Päng! wurde von Studenten der Mediadesign Hochschule in Stuttgart produziert. Insgesamt gab es 58 Unterstützer, die eine Summe von 3.664,64 Euro spendeten. Bei einem Spendenbeitrag von zehn Euro wurde der Spender auf der „Danke“-Seite in der Zeitschrift namentlich erwähnt und bekam die erste Ausgabe von Päng! per Post nach Hause geschickt. In Zukunft soll die Zeitschrift vierteljährlich erscheinen.


Media Funders

Logo: © Media Funders

Die Plattform: Mediafunders ist eine Crowdfunding-Plattform, die nach eigenen Aussagen eine „transparente Form von unabhängigem Journalismus“ ermöglicht. mediafunders.net bietet Journalisten, NGOs und Privatpersonen eine Plattform ihre Ideen für investigative Reportage- und Medienprodukte vorzustellen. Das können Text-, Audio- und Video- Formate sowie Datenjournalismusprojekte sein. Die Crowd soll die Recherchekosten finanzieren und bekommt im Gegenzug hochwertige journalistische Inhalte unter freien Lizenzen kostenlos zur Verfügung gestellt.

Projekte: Zur Zeit gibt es noch keine erfolgreich abgeschlossenen Projekte, da die Plattform noch im Aufbau ist. Auf der Projektwebseite wird um Sponsoren und finanzielle Unterstützer geworben. Auch der aktuelle Entwicklungsstand wird hier bekanntgegeben. Die Plattform startete im Juni 2011, bis die ersten journalistischen Projekte über Mediafunders realisiert werden können, wird es laut den Betreibern noch „eine Weile dauern.“


Euryclia

Logo © Euryclia

Die Plattform: Euryclia entstand im Jahr 2010. Es ist eine Plattform, speziell für Autoren, die eine neue Form des Direkt-Publishings ermöglicht. Die Crowd beteiligt sich an den Herstellungskosten eines Buches. Ein Unterstützer kann das Manuskript eines Buches bei Euryclia bestellen und gibt ihm damit eine Chance auf Veröffentlichung. Die Vorbestellung ist in der Regel um wenige Euro günstiger, als wenn man das fertige Buch im Handel oder Online kauft. Wenn 1.000 Manuskripte vorbestellt sind, ist das Projekt  erfolgreich und das Buch kann gedruckt werden. Durch das Vorschau-Widget book2look können die Spender vorab durch das entstehende Buch blättern und sich einen Eindruck vom Produkt verschaffen.

Erfolgreiches Projekt:

Das erfolgreichste Projekt bei Euryclia ist das Sachbuch „Universalcode – Journalismus im digitalen Zeitalter“ von Christian Jakubetz, Ulrike Langer und Ralf Hohlfeld. Für die Umsetzung des Buches wurde Euryclia als „erfolgreichste Marketing-Maßnahme“ im Social Web innerhalb der Buchbranche ausgezeichnet.

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