Wer profitiert von Flattr? – Podcaster Tim Pritlove über seinen Erfolg mit Flattr

Tim Pritlove mag es nicht, wenn man ihn als erfolgreiches Beispiel für die Nutzung von Flattr anführt. Er sei nicht der „Vorzeige-Flattrer“ und folge nur seiner Leidenschaft: dem Produzieren von Podcasts. Diese stellt er ins Internet und seit zwei Jahren können seine Zuhörer ihm dafür einen Geldbetrag per Flattr spenden. Das nehmen viele seiner Zuhörer wahr. In einem aktuellen Blog-Beitrag zieht er Bilanz aus zwei Jahren Flattr-Nutzung – das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Zuletzt nahm Pritlove über Flattr rund 2.500 Euro ein. „Es ist ein ordentliches Grundeinkommen, mit dem man gestalten kann“, findet der Podcaster. Das ist mehr als die meisten anderen Flattr-Nutzer einnehmen und übertrifft sogar die Einnahmen der taz, die den Flattr-Button seit Mai 2010 auf ihrer Webseite einbindet. Bei der taz sinken die Flattr- Einnahmen seit Monaten kontinuierlich und pendelten sich zuletzt auf einem Niveau unter 1.000 Euro ein.

Tim Pritlove auf der re:publica 2011

Der Podcaster Tim Pritlove auf der re:publica 2011 © dirk haeger

Zahlungsbereitschaft für Podcasts höher

Doch was macht Tim Pritlove anders, als die große Mehrheit derer, die mit Flattr nur minimale Einnahmen erzielen? Pritlove führt es auf die unterschiedlichen Darstellungsformen zurück: „Ich denke, weil die Stimme dabei ist, haben die Nutzer eine ganz andere, persönlichere Bindung zu Podcastern.“ Diese Bindung führt laut Pritlove zu einer höheren Zahlungsbereitschaft für Podcasts als für Beiträge auf Blogs oder Webseiten. Unter den 25 am meisten „geflattrten“ Beiträgen im Januar 2012 sind mehr als die Hälfte Podcasts. Pritlove vergleicht die Situation mit Radio- und Fernsehstars, die ebenfalls eine andere, weil emotionalere Bindung zu ihren Zuschauern und Zuhörern haben, als beispielsweise ein Autor bei Spiegel Online.

Tim Pritlove macht sich auch Gedanken darüber, was die Erwartungen seiner Nutzer sind und wie er ihnen entgegenkommen kann. Deshalb hat er nun schon zum zweiten Mal seine Flattr-Einnahmen auf seinem Blog offen gelegt. Der Nutzer erfährt, wohin sein gespendetes Geld fließt: Pritlove finanzierte damit eine bessere Ausstattung und ein Podcast-Studio. Diese Offenheit schafft Vertrauen bei seinen Zuhörern, die ihn weiter unterstützen, um seine Podcast Produktionen am Leben zu erhalten.

Über einen Crowdfunding-Ansatz hat der Podcaster Pritlove auch schon nachgedacht. Diese Methode würde sich zum Beispiel bei einer Interviewserie im Ausland eignen. Denn dafür müsse ein Aufwand geleistet werden, der ihn um die 10.000 Euro kosten würde. „Beim Crowdfunding kann ich sagen: Das ist das, was ich machen möchte, hier ist die Deadline, entweder ihr wollt es oder ihr wollt es nicht.“ Für einen solchen Fall sei das Modell Crowdfunding interessanter. Flattr eignet sich dagegen besser für die „kontinuierliche Beatmung“ seiner Podcasts, so Pritlove.

Die neuesten Entwicklungen bei Flattr

Während einige Blogger den Micropaymentdienst Flattr für tot erklären, nennt Pritlove einige interessante Ansätze, wie Flattr in Zukunft funktionieren könnte. Zum Beispiel sei die Einbindung eines Flattr-Buttons auf Webseiten der etablierten Zeitungen wie ZEIT Online, FAZ.NET oder Süddeutsche.de denkbar. Diese Webseiten finanzieren sich zur Zeit hauptsächlich durch Werbeeinnahmen. Wenn ein Nutzer aber einen Adblocker verwendet, der die Schaltung von Werbeanzeigen verhindert, verdienen die Verlage kein Geld an ihm. „Anstatt zu betteln, dass der Nutzer Werbung zulassen soll, wäre es möglich in diesem Fall einen Flattr Button anzubieten“, erklärt Pritlove. Schließlich kann man herausfinden, welcher Nutzer einen Adblocker verwendet, um den Flattr-Button gezielt einzusetzen.

Zukunftsaussichten

Ein weiteres Thema wird in Zukunft die Integration des Flattr-Buttons in mobile Applikationen sein. Es gibt schon heute den Podcast Client Instacast, der es ermöglicht Podcasts automatisch während des Abspielens zu bezahlen. „Man registriert sich einmal bei Flattr und ist dann autorisiert. Jetzt kann ich sagen,  flattr alles, was ich höre.“ Da der Flattr-Button in einer maschinenlesbaren Form in den Podcast eingebunden ist, „flattrt“ die Applikation ohne, dass der Nutzer aktiv klicken muss. (Update: Am 28.5.2012 wurde auf dem Flattr-Blog bekannt gegeben, dass Apple die Integration von Flattr in die Instacast-App ablehnt.)

Die neueste Entwicklung bei Flattr ist die Einbindung im zweitgrößten Videoportal Dailymotion. Wenn ein Nutzer einen Account bei Dailymotion hat und sich zusätzlich bei Flattr registriert, installiert Dailymotion automatisch ein Plugin im Browser des Nutzers. Schaut sich der Nutzer ein Video über Dailymotion an, „flattrt“ das Plugin automatisch. „Natürlich kann man jetzt noch nicht sagen, wie sich das entwickeln wird. Ich denke, Flattr wird ein Nischenthema bleiben. Aber wenn man es weiter in Community Portale einbindet, kann es funktionieren.“ So lautet das Urteil eines sehr erfolgreichen Flattr-Nutzers, auch wenn er es nicht gerne hört.

Advertisements

2 Responses to Wer profitiert von Flattr? – Podcaster Tim Pritlove über seinen Erfolg mit Flattr

  1. Heine says:

    Zum Punkt Werbung kann ich dem nur beipflichten. Werbung nervt, weil es nämlich meine Zeit durch Ablenkung indirekt in Geld verwandelt. Darum lieber flattern und gut. Ohne den Umweg über nervige Werbende.

    Was mich dazu führt: Wo ist hier der flattr-Button? Ich flattr nämlich eigentlich alles was ich lese.

    • Johanna says:

      Hallo Heine, das Ziel meines Dossiers soll nicht sein, Einnahmen durch flattr zu erhalten – zumal da es sich bei einem Angebot wie meinem, das auf eine begrenzte Zeit ausgelegt ist, kaum lohnen würde. Ich finde die Idee generell gut, seine Wertschätzung für Inhalte auszudrücken, aber ein konstruktiver Kommentar ist meiner Meinung nach wertvoller als ein Klick auf den flattr-Button.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s