Matthias Urbach über sinkende Flattr-Einnahmen bei taz.de

Viele Blogger und Webseitenbetreiber, die den Social Payment Dienst Flattr einbinden,  klagen über geringe Einnahmen. Die anfängliche Euphorie ist abgeflaut und einer zunehmenden Skepsis gewichen. Dabei ist die Idee einfach: Man drückt seine Wertschätzung für bestimmte Inhalte im Internet per Mausklick aus und spendet dafür einen frei wählbaren Betrag.

Doch die Zahlungsbereitschaft und das Interesse an Flattr lassen nach. Die Tageszeitung taz bietet seit Mai 2010 den Flattr-Button auf ihrer Webseite an. Seit Monaten gehen die Einnahmen kontinuierlich zurück. Im März dieses Jahres nahm die taz nur noch 731,98 Euro über Flattr ein. Das mag dem ein oder anderen viel erscheinen. Verglichen mit den Flattr-Einnahmen der taz in den ersten Monaten ist ist das ein Rückgang um die Hälfte.

Warum sinkt die Bereitschaft Geld per Flattr zu spenden?

Matthias Urbach (Leiter taz.de)

Matthias Urbach (Leiter taz.de) Foto: © J.W.

Matthias Urbach, der Leiter von taz.de, erklärt das so: „Wir stellen fest, dass es effektiver ist, die Menschen davon zu überzeugen uns einen Dauerauftrag zu geben. Das funktioniert besser als Einzelzahlungen pro Klick. Mikrospenden wie Flattr haben immer noch diesen Aufforderungscharakter. Das funktioniert nicht so gut. Unser derzeitiges Modell entspricht mehr dem Genossenschaftsprinzip, das wir im Print schon immer hatten.

Auf den Online Bereich übertragen, heißt das: Denke dir einen Betrag, den du dir monatlich leisten kannst und mit dem du dafür sorgst, dass taz.de weiter bestehen bleibt.“

Auf diese Weise konnte die taz bereits 386 dauerhaft zahlende Leser gewinnen. „Diese dauerhaft zahlenden Nutzer sind total wertvoll, weil wir sie nicht jedes Mal wieder zum Klicken animieren müssen. Sie haben eine sehr hohe Haltbarkeit“, erklärt Matthias Urbach. In den ersten Jahren sei es noch sehr mühsam gewesen, neue Genossen zu bekommen: „Die Idee muss auch in der eigenen Community erst  einmal wachsen und verstanden werden. Inzwischen haben wir 11.800 Genossen. Wenn wir das noch lange machen, werden wir irgendwann mehr Besitzer als Leser haben“, scherzt Urbach.

Da Zeitungen wie die Neue Züricher Zeitung und die Welt angekündigt haben, noch in diesem Jahr ihre Online-Inhalte hinter eine Bezahlschranke zu stellen, diskutierte man auch bei der taz über das Thema „Paid Content“.

Ist die Bezahlschranke eine Alternative für die taz?

„Wir wollen keine Paywall das wäre der Tod für uns. Wir leben von der Idee der Offenheit, das verträgt sich nicht mit der Idee der Bezahlschranke. Wir profitieren möglicherweise von den Paywalls der anderen Verlage, da auch unseren Leser wieder bewusst wird, dass da Werte geschaffen werden, die finanziert werden müssen.“ Im Journalismus sei es viel schwerer, den Lesern zu erklären, warum das eigene Angebot förderungswert und besonders ist, findet Urbach.

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